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Was tun bei Amokläufen?

Am 11. Mai 2023 betrat ein Mann mit einer Schusswaffe das Daimler-Werk in Sindelfingen, eröffnete das Feuer und tötete dabei 2 Menschen.


Der Werkschutz reagierte, nach meinem Kenntnistand, überragend professionell. Das Werk wurde geräumt, die Behörden wurden verständigt und der Täter konnte festgenommen und der Polizei übergeben werden.


Verhindern kann man solche Vorfälle kaum. Deshalb muss man lernen, wie man sie im Fall der Fälle handhaben kann. Scheinbar wusste man bei Daimler, was in einem solchen Fall zu tun ist. Ein professionelles Sicherheitsmanagement zahlt sich aus!

Unter Fachleuten unterscheidet man Terroranschläge von Amoktaten, Mehrfachmorden und Massenmorden. Diese Phänomene unterscheiden sich deutlich voneinander. Am Ende steht jedoch immer eine Person mit einer Waffe einer größeren Anzahl unbewaffneter gegenüber. Ich verwende deshalb den neutralen Begriff „gezielte Mehrfachtötung“. Im anglo-amerikanischen Bereich ist der Begriff „Active Shooter Scenario“ gebräuchlich.


Wie soll man sich verhalten, wenn man Opfer oder Zeuge einer gezielte Mehrfachtötung wird?


Die Ratschläge der Behörden

Die Aussagen der Behörden ist bundesweit nahezu einheitlich. Privatpersonen sollen bei Terroranschlägen weglaufen oder sich verstecken.

Da in Deutschland der überwältigende Teil aller Privatpersonen unbewaffnet sind und weder in Selbstverteidigung noch in sonstigen Überlebenstechniken ausgebildet sind ist dieser Ratschlag auch sinnvoll.

Können private Sicherheitsdienste solche Taten verhindern?

Private Sicherheitskräfte können durch präventive Maßnahmen einen Teil dieser Taten auf dem Bewachungsobjekt verhindern. Hierzu gehören u.a. Personenkontrollen und das gezielte Suchen nach Waffen und gefährlichen Gegenständen bei Personen, die das Objekt betreten wollen.

Was tun, wenn die Prävention fehlschlägt?

Hashtag#Prävention kann den Großteil der Taten verhindern. Doch 100%-ige Sicherheit gibt es nicht. Auch die besten Präventionsmaßnahmen können in Einzelfällen versagen. Für diesen Fall ist zwingend ein Plan B vorgesehen.

Die Abwehr akuter gezielter Mehrfachtötungen ist Aufgabe der Polizei. Private Sicherheitskräfte sind in Deutschland üblicherweise weder psychologisch noch taktisch geschult, geschweige denn ausgerüstet, um einen solchen Angriff abzuwehren.

Erste Priorität für das Sicherheitspersonal in einer solchen Situation ist das Alarmieren der Polizei und das Absperren und Räumen der gefährdeten Bereiche.


Bei allen gezielten Mehrfachtötungen gilt die Regel:


RUN – HIDE – FIGHT! 

(„Fliehen! – Verstecken! – Kämpfen!“).


RUN / Flucht: Wenn du dem Tatort entkommen kannst, versuche zu fliehen.

Verletzte Personen nur mitnehmen, wenn dies ohne Lebensgefahr möglich ist.

Ausrüstung oder private Gegenstände zurücklassen!


HIDE / Verstecken: Wenn eine Flucht nicht möglich ist, versteck dich

Schließe dich (am besten mit anderen) in ein sicheres Zimmer ein, verschließe die Tür und schiebe Möbel vor die Tür um sie so sicher wie möglich zu verschließen

Schalte Mobiltelefone, Funkgeräte oder andere Geräte auf Stumm.

Bleibe ruhig, bis die Polizei die Situation geklärt hat.


FIGHT / kämpfen: Kämpfe nur, wenn dein Leben unmittelbar bedroht ist und es der letzte Ausweg ist.

Versuche dann den Angreifer kompromisslos kampfunfähig zu machen.

Greife mit anderen zusammen an und benutze improvisierte Waffen.

Es geht hier um Leben und Tod und nicht um einen ritterlichen Kampf.


Sinnvolle präventive Maßnahmen

Bei der Prävention muss der Schwerpunkt auf den Bereich Zugangskontrollen und Flucht gelegt werden.

Im Gegensatz zu Brandschutzübungen sollten Übungen zum Thema gezielte Mehrfachtötungen nicht mit der kompletten Belegschaft trainiert werden, sondern lediglich mit Schlüsselpersonen. Weiterhin sollten nicht dieselben Fluchtroutinen verwendet werden, die auch im Brandfall benutzt werden.

Dies dient dazu, einem potenziellen Täter (der in der Regel aus den eigenen Reihen kommt) keine wichtigen Informationen zu geben, anhand derer er seine Tat besser planen könnte.

Ein weiterer wichtiger Baustein in der Prävention ist die Personensicherheit.


Gezielte Mehrfachtötungen geschehen nicht im luftleeren Raum, sondern kündigen sich in der Regel an. Häufige Motive sind Rachegedanken, Depressionen, Alkoholkonsum, politischer oder religiöser Fanatismus, Wahnvorstellungen oder seelische Erkrankungen. Gezielte Frühwarn- und Hilfsprogramme können hier ein weiterer Baustein in der Sicherheit sein.

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